Immer wieder werden wir von skeptischen Zeitgenossen gefragt, wie viele Unternehmen es denn überhaupt gibt, die das umsetzen, was wir in unserem letzten Buch als "Spuren hinterlassen" bezeichnet haben. Die implizite Aussage der Berufszweifler: Alles schön und gut, was Ihr so schreibt - aber leider unrealistisch. Um so mehr freuen wir uns, wenn wir in unserem Business Space Center mal wieder eine Organisation durchleuchten konnten, die einfach vieles richtig macht. Nicht in einem Paralleluniversum, sondern im Hier und Jetzt. Zum Beispiel Pixar, das weltweit erfolgreichste Trickfilmstudio.
Pixar Animation Studios aus dem kalifornischen Emeryville steht hinter Kassenerfolgen wie Toy Story, Findet Nemo oder Ratatouille. Der Firmenname, ein Kunstwort aus "Pixel" und "Art", ist Programm: Hier treffen technische Innovation und hoher künstlerischer Anspruch aufeinander. Dabei bemisst sich der Erfolg nicht nur in acht Oscars, obwohl die natürlich auch ganz nett sind. Apple-Mitgründer Steve Jobs hatte Pixar 1986 für 10 Millionen US-Dollar gekauft und 20 Jahre später für 7,4 Milliarden Dollar an Disney verkauft. Da kann man nur sagen: Hut ab!
Was uns an Pixar noch mehr beeindruckt als der finanzielle Erfolg, ist der "Spirit", der hier gelebt wird.
Das Unternehmen hat einige sehr spannende Grundsätze. Zum Beispiel: Jeder hat grundsätzlich die Freiheit, mit jedem anderen zu reden und seine Ideen einzubringen. Mit JEDEM. Es gibt keine Entscheidungsmonopole – die Chefs sollen in Meetings ruhig mal Überraschungen erleben. Der beste Vorschlag wird umgesetzt, egal, von wem er stammt. Dazu passt: Unaufgefordertes Feedback per E-Mail von Wem-auch-immer an Wen-auch-immer ist ausdrücklich erwünscht. Pixar hat verstanden, wie wichtig ehrliches, unverstelltes Feedback für Kreativität und Innovation ist.
Aber noch etwas anderes hat uns begeistert: Bei Pixar fürchtet man nichts so sehr, wie in die Erfolgsfalle zu tappen. Als Regisseur Brad Bird zu Pixar kam, sagten ihm Steve Jobs und seine Managerkollegen Ed Catmull und John Lasseter: "Das einzige, wovor wir Angst haben, ist Selbstgefälligkeit – das Gefühl, wir hätten schon alles drauf. Wir erwarten von dir, dass du die Dinge kräftig durcheinander wirbelst!"
Also ganz ehrlich, wir kennen nicht soooo viele erfolgreiche Unternehmen, die neue Leute bitten, die Dinge unbedingt anders zu machen als bisher. Bei Pixar betrifft diese Kultur des Immer-noch-mehr-dazu-lernens und der ständigen Veränderung nicht nur Star-Regisseure. Jeder, der neu eingestellt wird, bekommt als erstes Einblick in die Fehler, die das Unternehmen bisher gemacht hat. Die Logik: Niemand soll dem "Ehrfurchts-Syndrom", wie es bei Pixar heißt, verfallen.
Unser Fazit: Pixar hinterlässt wirklich Spuren statt Staub. Hier wurde über 20 Jahre an einem betrieblichen Umfeld gearbeitet, das die besten und kreativsten Köpfe anzieht und in dem sich diese Top-Talente entfalten können. Und man scheut sich nicht davor, ungewöhnliche Menschen wie beispielsweise Brad Bird einzustellen - mit dem ausdrücklichen Auftrag, den Laden kräftig aufzumischen. Bird hat das gegenüber Journalisten einmal so beschrieben: "Ich bin in ein Unternehmen geholt worden, um ein gewisses Maß an Störungen zu verursachen. Ich wurde schon mehrfach dafür gefeuert, dass ich den regulären Betrieb störte, aber dies ist das erste Mal, dass man mich dafür eingestellt hat."
LINKTIPPS:
Pixar Homepage
Interview mit Brad Bird in McKinsey Quarterly
Artikel: How To Pixar-ize Your Company von Michael Fitzgerald
Artikel: How Pixar Builds Sustainable Creativity von Sean Silverthorne
Video mit John Lasseter: Inside Pixar Animation Studios
Quelle dieses Beitrags: Business-Backstage-Report von Förster & Kreuz, 1/2009



