Eine kleine Denkaufgabe: Stellen Sie sich einen Kongress vor. Sagen wir, einen Kongress für die IT-Branche. Es ist Mittagspause und am Buffet stehen Leute in der Schlange. Zum Beispiel eine Frau Mitte 30 im gut geschnittenen Kostüm, die angespannt etwas in ihren Palm tippt. Hinter ihr steht ein junger Mann in Jeans und Sneakern. Er hat sein iPhone in der Hand und nickt mit dem Kopf zur Musik, die er damit hört. Und jetzt verraten Sie uns: Wer von den beiden arbeitet für ein Start-up und wer für einen Konzern?
Es ist ja nicht so, als würden wir nie selbst in solche Klischeefallen tappen. Im Gegenteil. Es passiert uns immer wieder. Und wir finden es spannend. Weil es uns dazu bringt, diese Klischees zu hinterfragen. Warum muss es eigentlich so sein, dass mit Jobs in großen Unternehmen immer eine gewisse konservative Gesetztheit verbunden wird? Und warum denkt man bei Start-ups immer an kleine Kreativläden, in denen bewusst klassische Spielregeln über den Haufen geworfen werden und alle irgendwie lockerer drauf sind – aber auch weniger Geld verdienen?
„Wir haben quasi ein Start-up im Haus.“ Mit diesen Worten überraschte uns die Cisco-Managerin Chris Dedicoat, die wir in England getroffen haben. Die Idee: Man kann die Sicherheit eines festen Jobs haben, Zugriff auf sämtliche Ressourcen genießen und trotzdem querdenken. Und das funktioniert in einem Konzern wie Cisco? Tatsächlich, ja. Mit der Emerging Technologies Group hat Cisco vor drei Jahren eine Kreativschmiede im Unternehmen geschaffen, in der Spitzenkräfte an neuen Ideen arbeiten. Und das auf Hochtouren, denn die Vorgabe ist anspruchsvoll: Innerhalb von fünf Jahren sollen 20 neue Produkte entwickelt werden. Produkte, die ein Verkaufsvolumen von jeweils mindestens einer Milliarde Dollar in den ersten fünf Jahren erreichen können. Wow!
Bei Cisco denkt man in großen Maßstäben. Und schnell und kooperativ. Denn die neuen Produkte sollen die bestehenden ergänzen, nicht kannibalisieren. Das ist nicht nur gut fürs Geschäft, sondern auch fürs Betriebsklima. Weil niemand Angst haben muss, dass ihm von den Innovatoren das Wasser abgegraben wird. Der Wert der Kernprodukte bleibt erhalten, neue Märkte werden erschlossen und jeder im Unternehmen ist sich darüber bewusst, dass Anregungen und Bewegung willkommen sind – bis hinauf in die Chefetage.
Den Mitarbeitern der Emerging Technologies Group war aber selbst der eigene Horizont noch zu eng. Mit einem Innovations-Wettbewerb holten sie sich Inspiration von außen. Größer zu denken hat schließlich noch keinem geschadet. Es gab 2500 Bewerber aus 104 Ländern, die ihre Ideen eingereicht haben. 250.000 Dollar Preisgeld bezahlte Cisco für den besten Vorschlag und nur den setzt das Unternehmen um. Die anderen Teilnehmer bekamen ein Coaching, um ihre Innovation selbst verwirklichen zu können. Angst vor Konkurrenz? Hat Cisco offensichtlich nicht. Wer fair mit dem kreativen Nachwuchs umgeht, sichert sich nicht nur Respekt, sondern vielleicht auch neue Mitarbeiter für die Zukunft.
LINKTIPPS:
Cisco Homepage
Cisco Innovation-Prize
vnunet: Cisco reinvents the corporate incubator
BusinessWeek: The Next $1 Billion Business Idea
Es ist ja nicht so, als würden wir nie selbst in solche Klischeefallen tappen. Im Gegenteil. Es passiert uns immer wieder. Und wir finden es spannend. Weil es uns dazu bringt, diese Klischees zu hinterfragen. Warum muss es eigentlich so sein, dass mit Jobs in großen Unternehmen immer eine gewisse konservative Gesetztheit verbunden wird? Und warum denkt man bei Start-ups immer an kleine Kreativläden, in denen bewusst klassische Spielregeln über den Haufen geworfen werden und alle irgendwie lockerer drauf sind – aber auch weniger Geld verdienen?
„Wir haben quasi ein Start-up im Haus.“ Mit diesen Worten überraschte uns die Cisco-Managerin Chris Dedicoat, die wir in England getroffen haben. Die Idee: Man kann die Sicherheit eines festen Jobs haben, Zugriff auf sämtliche Ressourcen genießen und trotzdem querdenken. Und das funktioniert in einem Konzern wie Cisco? Tatsächlich, ja. Mit der Emerging Technologies Group hat Cisco vor drei Jahren eine Kreativschmiede im Unternehmen geschaffen, in der Spitzenkräfte an neuen Ideen arbeiten. Und das auf Hochtouren, denn die Vorgabe ist anspruchsvoll: Innerhalb von fünf Jahren sollen 20 neue Produkte entwickelt werden. Produkte, die ein Verkaufsvolumen von jeweils mindestens einer Milliarde Dollar in den ersten fünf Jahren erreichen können. Wow!
Bei Cisco denkt man in großen Maßstäben. Und schnell und kooperativ. Denn die neuen Produkte sollen die bestehenden ergänzen, nicht kannibalisieren. Das ist nicht nur gut fürs Geschäft, sondern auch fürs Betriebsklima. Weil niemand Angst haben muss, dass ihm von den Innovatoren das Wasser abgegraben wird. Der Wert der Kernprodukte bleibt erhalten, neue Märkte werden erschlossen und jeder im Unternehmen ist sich darüber bewusst, dass Anregungen und Bewegung willkommen sind – bis hinauf in die Chefetage.
Den Mitarbeitern der Emerging Technologies Group war aber selbst der eigene Horizont noch zu eng. Mit einem Innovations-Wettbewerb holten sie sich Inspiration von außen. Größer zu denken hat schließlich noch keinem geschadet. Es gab 2500 Bewerber aus 104 Ländern, die ihre Ideen eingereicht haben. 250.000 Dollar Preisgeld bezahlte Cisco für den besten Vorschlag und nur den setzt das Unternehmen um. Die anderen Teilnehmer bekamen ein Coaching, um ihre Innovation selbst verwirklichen zu können. Angst vor Konkurrenz? Hat Cisco offensichtlich nicht. Wer fair mit dem kreativen Nachwuchs umgeht, sichert sich nicht nur Respekt, sondern vielleicht auch neue Mitarbeiter für die Zukunft.
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