Echo

Bescheidenheit statt Ego-Dominanz!

Wenn wir in Briefinggesprächen Unternehmenschefs bitten, uns etwas über ihr Unternehmen zu erzählen, dann können wir oft geradezu hören wie – klick! – im Kopf unseres Gegenübers die PowerPoint-Präsentation gestartet wird: Gründungsjahr, Standorte, Mitarbeiterzahl, Jahresumsatz, Wachstumsraten, tick-tack-tick-tack-zahlen-daten-fakten. – Na, gut, das ist auch verständlich – wir wissen, dass Banken und Investoren genau das von Chefs erwarten.

Umso verblüffter waren wir, als wir kürzlich vor einem unserer Vorträge mit dem CEO eines führenden Herstellers von Premium Convenience Food sprachen. Von ihm kam auf unsere Bitte, etwas über seine Firma zu erzählen, der Satz:
 

„Wissen Sie, unsere Unternehmenskultur zeichnet sich dadurch aus, dass wir bescheiden sind und gut zuhören können.“

Pause.

Was für ein Satz! Bescheidenheit ist etwas, das man in manchen Unternehmen erst einmal langsam buchstabieren muss: B-e-s-c-h-e-i-d-e-n-h-e-i-t. Und damit wir uns nicht missverstehen: Eine Bescheidenheit, wie sie uns hier begegnet ist, bedeutet nicht Mangel an Selbstbewusstsein oder gar gespieltes Understatement. Im Gegenteil, dieser CEO ist mit seinem Unternehmen erfolgreich und entsprechend selbstbewusst.

Wirkliches Selbst-Bewusstsein bedeutet eben: sich realistisch einschätzen. Stolz auf Leistungen sein, aber nicht abheben. Eine geistige Haltung der Aufmerksamkeit und Achtsamkeit gegenüber allen einnehmen, auch gegenüber dem Pförtner und der Putzfrau. In dieselbe Kerbe schlägt übrigens Bestsellerautor Jonas Ridderstrale, wenn er im Interview in dieser Ausgabe eine reduzierte „Ego-Dominanz von Führungskräften“ zu einem der drei wichtigsten Businessthemen der Zukunft zählt.

Bescheidenheit und Aufmerksamkeit sind unserer Ansicht nach gerade deshalb so wichtig, weil wir in einer immer komplexeren Welt immer weniger wissen, was morgen sein wird. Da ist derjenige klar im (Wettbewerbs-)Vorteil, dessen Ego nicht überdimensional aufgebläht ist. Und wer anderen wirklich zuhören kann.
 
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8 Kommentare - Kommentar jetzt schreiben:

  1. tg19087@bdvb.deSep 9, 2009 02:17 AM
    Liebes Förster&Kreuz Team, vor etwa einem Jahr durfte ich Herrn Kreuz und Frau Förster bei einem inspirierenden Vortrag zuhören. Es hat viel Spaß gemacht. Ich war begeistert. Sowohl sämtliche Bücher dieser beiden Autoren als auch der Business-Backstage-Report (BBR) folgten bisher stets dem Motto: Mach etwas. Sei anders. Erfinde. Hinterlasse Spuren.
    Jetzt lese ich plötzlich im aktuellen BBR-Editorial etwas von Bodenständigkeit (implizit) und Bescheidenheit (explizit). Ich bin enttäuscht. Das kann ich doch überall lesen. Dafür brauche ich keinen BBR. In diesen Zeiten ist eine Besinnung auf "bodenständige" Werte sicher gut. Aber diese Werte waren, sind und bleiben immer aktuell. Das ist nichts Neues, jedenfalls nicht als Leitidee. Aber für das Neue lese ich den BBR, zumindest bisher.
    Ich hoffe auf eine baldige Besserung im Sinne von Innovation, Aufbruch, Mut und Hoffnung.

    Beste Grüße aus dem Rheinland
    TG
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  2. Also ich fand diese Einleitung sehr inspirierend! In ´Zeiten, wo jede/r besser, schneller, innovativer, wichtiger sein muss als alle anderen, vor allem dies aber noch lauter und unüberhorbarer rausposaunen will, ist Bescheidenheit DIE innovative Geisteshaltung geworden.
    Bescheiden sein, zuhören können, einfühlen können, gerade das wird in vielen Dienstleistungsbranchen zum zentralen Thema. Ich merke in meiner Firma (Lerncoaching), dass uns gerade diese Fähigkeit, die wir sehr kultivieren, nach vorne bringt und auf Begeisterung bei unseren Kunden stößt.

    Das heißt ja noch lange nicht, dass man gleich altbacken und im Dirndlkleid daherkommen muss. Ganz im Gegenteil, im Auftreten und in der Arbeit innovativ, auch frech und unkonventionell, in der Haltung gegenüber Kunden, MitarbeiterInnen und Multiplikatoren wertschätzend und - eben - bescheiden.

    Liebe Grüße aus Österreich Ch Hammer
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  3. Bescheidenheit ist m.E. eine ganz wichtige Einstellung bzw. Geisteshaltung. Ich arbeite in einer Agentur und erlebe es immer wieder bei unseren Kunden: Jene, die nur auf dicke Hose machen - und die, die wirklich Substanz haben, damit aber nicht angeben. Eben jene, die Bescheidenheit als persönliche Geisteshaltung leben. Letztere sind die Erfolgreicheren, weil sie nicht die Bodenhaftung verloren haben und diese Haltung gebenüber Mitarbeitern, Geschäftspartner und Kunden jeden Tag leben.
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  4. Liebe Frau Förster,
    lieber Herr Kreuz,

    zunächst einmal bedanke ich mich bei Ihnen für dieses ungewöhnliche Editorial! Aus den beiden vorstehenden Reaktionen ist gut zu erkennen, dass "Bescheidenheit" ambivalent verstanden wird. Erstaunt hat mich insbesondere der Hinweis aus dem Rheinland, dass man zu Bescheidenheit überall etwas lesen kann! War ich so unachtsam??? In meiner Wahrnehmung steht der Egoismus viel deutlicher im Fokus!
    Hoffentlich regt Ihr Artikel viele dazu an, neu über Bescheidenheit nach zu denken! An unseren Autobahnen steht das Schild "Die Entdeckung der Langsamkeit" mit dem Ziel Raserei zu vermindern. Vielleicht können wir in Zukunft häufiger in Seminaren, Unternehmensinformationen von der "Entdeckung der selbst-bewussten Bescheidenheit" hören, mit dem Ziel die Erfolge zu erhöhen!

    Beste Grüße aus dem Badnerland, K-W. Langer
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  5. Das Wort" erzählen "gefällt mir im Zusammenhang mit Unternehmen und der entsprechenden Berichterstattung nicht gut. Die Oma erzählt den Enkelkindern Märchen. Unternehmer informieren, berichten......! Bitte informieren Sie uns über Ihr Unternehmen......!Wenn Sie Kasey JNarvis als intelligent bezeichnen, dann bezeichnen Sie ihn doch einfach so. Warum dann würden?. Freue mich immer auf Ihren Business-Backstage-Report. Grüße aus dem zur Zeit rüben Köln. Ihr M.J.Schmidt
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  6. Dieter Reiber, IbF-InstitutSep 12, 2009 08:16 AM
    Bescheidenheit oder Dominanzgehabe - was wirkt nachhahltiger beim Gegenüber.
    Wer vom kuzatmigen Profit in Quartalszahlen abhängig ist, wird davon beeindruckt.
    Wir sehen und erleben aber, dass Aktien-Lügen kurze Beine haben - die Folge ist ein böses Erwachen der Betrogenen.
    Betrogen fühlen sich derzeit alle Abhängigen von Ihren Obrigkeiten.
    So erleben wir derzeit die Welt um uns. Kurzatmigkeit macht jedoch Angst und noch kurzatmiger - ein Teufelkreis, er endet schließlich in einem prekären Wiederbelungs-Zustand - wie wir ihn derzeit in der Krise wahrnehmen. Wer hat was daraus gelernt?

    Wenn ein Patient seine Symptome dem Arzt schildert, kann und will dieser nicht in der Seelen-Tiefe schürfen; das lassen auch die bezahlten 5 Minuten nicht zu.
    Also kann der Patient nur ein Hypochonder sein, damit der Arzt Systemkonform bleibt und sich nicht aufs Glatteis des Patienten und eine Diffentialdiagnose von zwei Stunden Aufwand begibt und sich die Peinlichkeit des Vergessens der Medizin-Lehre erspart.
    Damit rotiert der Patient endlos im kollegialen Ärzte-System und der Experten bis zur Erkundiungsoperation mit prekären Folgen.
    Wenn der Patient nicht zur eigenen Ursachen-Diagnose kommt, dann ist eine Operation die letztliche Aktion ohne Garantie das Problem zu gelöst zu haben.
    Das steht symbolisch für die Krankheit unserer Zeit und gilt für den Umgang von Abhängigen von der sogenannten Obrigkeit. Damit ist Beschäftigung garantiert.
    Dieter Reiber, IbF-Institut
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  7. Ihr Beitrag hat mir sehr gut gefallen und wird auch gerade in einem Beitrag über Simone Bagel-Trah, die neue Chefin von Henkel bestätigt.

    Die Welt schreibt über die erste weibliche Aufsichtsratsvorsitzende in einem Dax-Konzern: Ihre "Kombination aus Durchsetzungsfähigkeit, Fachwissen, zurückhaltendem Auftreten und Integrationsfähigkeit" seien bei Ihrer Berufung entscheidend gewesen. Außerdem: "Sie wirkt freundlich, locker und am Gesprächspartner interessiert."

    Praktisch Ihre Worte! Bescheidenheit, nicht als Mangel an Selbstbewusstsein. Sondern als realistische Einschätzung seiner Selbst mit Stolz auf die eigenen Leistungen, aber ohne abzuheben.
    Hoffen wir, dass mehr dieser Menschen sich in unserer Wirtschaft durchsetzten werden!

    PS: Hier der Link zum Artikel http://www.welt.de/die-welt/wirtschaft/article4553021/Die-Frau-ohne-Quote.html
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  8. Cosima ReichweinOct 13, 2009 05:36 AM
    Hallo Frau Förster und Herr Kreuz,

    das ist einer Newsletter, der mir bezügl. Bescheidenheit so vollkommen aus dem Herzen gesprochen hat, danke!

    Das menschliche Ego stellt immer wieder ein großes Hindernis für die Gesundung der ganzen Welt dar.



    Ich bin gerade dabei mein eigenes vegetarisches Kochbuch (mit vielen zusätzlichen Nutzen) abzuschließen und mich auf die Suche eines Direktverlages zu machen und nach Sponsoren, wenn ich es im Eigenverlag herausgebe.

    Aber vielleicht habe ich auch Glück und kann das westliche Denken von „Entweder-Oder“ zu dem östlichen Denken vom „Sowohl-Als auch“ hier in BRD finden, das würde bedeuten einen Direktverlag, der offen ist für Sponsoring.

    Einen großen Sponsor habe ich bereits gefunden - EDORA- Gewürze, der nur vom Erzählen mir eine Zusage gemacht hat als Sponsor zu agieren.





    Ich freue mich auf den nächsten Newsletter . . .
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