Echo

„Wir leben Autos“ - WAS SOLL DAS DENN?

Spätabends. Flughafen. Mietwagenschalter. Die immer noch makellos gestylte Mitarbeiterin sucht in vier Schubladen. "Ach, da ist er ja." Sie wedelt lächelnd mit einem Fernbedienungs-Schlüssel aus Hartplastik und setzt den Ich-kann-ja-auch-nichts-dafür-Blick auf: „Ich hätte da noch einen Opel für Sie...“ Und unsere Gesichter werden lang. Unser einziger Gedanke: „Bitte, alles, aber bloß das nicht.“

Vielleicht wäre es Ihnen ähnlich gegangen. Sofern Sie nicht Opel-Fahrer in der dritten Generation sind und Ihr Vater noch den Opel-fahrn-is-wie-wennze-fliechst-Aufkleber am Ascona hatte, was sich als Kindheitserinnerung dort in Ihre Synapsen gebrannt hat, wo sonst die Lieblingsautomarke einprogrammiert ist. Ansonsten ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Sie lieber BMW, Mercedes, Audi, Alfa, Mini oder sonst eine Marke fahren, die für etwas steht. Mit der Sie emotional etwas verbinden. Keine Frage: Wenn der gerade in Berlin, Washington, Detroit, Moskau und Aurora vorerst vor dem Aus gerettete Autohersteller eine Zukunft haben soll, muss DRINGEND an der Marke gearbeitet werden.

Aber was lesen wir? Opel hat jetzt erstmal – mal wieder – den Slogan geändert. Den Slogan! Ab sofort heißt es: „Wir leben Autos.“
WAS SOLL DAS DENN?

Während starke Marken wie Audi („Vorsprung durch Technik“ seit 1971) oder BMW („Freude am Fahren“ seit 1969) ihre Slogans mit jahrzehntelanger Konstanz zum unverzichtbaren Teil des Markenkapitals haben reifen lassen, wechselt Opel seinen Leitspruch etwa so häufig wie Otto-Normal-Astra-Fahrer seine Reifen – ungefähr alle vier Jahre. Von 1990 bis heute wurde aus „Freude durch Technik“ ... kombiniere BMW und Audi - schlau, schlau ;-) ... erst ein „Wir haben verstanden", dann gab es „Frisches Denken für bessere Autos“ und zuletzt die Aufforderung „Entdecke Opel“ – vielleicht weil die Chefs da ihre Marke schon längst nicht mehr verstanden, sich nach frischem Denken sehnten und darauf hofften, dass es vielleicht dem Verbraucher gelänge, zu entdecken, wofür Opel eigentlich steht.

Angeblich sollen die gelben „Wir sind Opel“-Solidaritäts-T-Shirts der um ihre Arbeitsplätze bangenden Mitarbeiter Ideengeber für den neuen Claim gewesen sein. Das ist zwar eine schöne Geschichte, aber für die Markenbildung ist das jetzt in etwa so wirkungsvoll wie der Versuch, ein Auto, das gerade aus der Schrottpresse kommt, mit dem Überbrückungskabel noch mal zu starten. In 19 Jahren Slogan-Suche hat Opel seinen Marktanteil halbiert ... Noch Fragen?

Die Marke Opel – so die traurige Wahrheit – ist klinisch tot. Denn heute und in Zukunft ist jedes Unternehmen klinisch tot, das folgende Fragen nicht beantworten kann: Wer sind wir? Wofür stehen wir? Was macht uns einzigartig? Was wollen wir auf dieser Welt bewirken? – Es sind Gefühle, Erfahrungen und Erinnerungen, die Menschen über Jahre an eine Marke binden. Wenn es da nichts gibt, woran sich einer binden könnte, hinterlässt ein Unternehmen Staub statt Spuren.

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11 Kommentare - Kommentar jetzt schreiben:

  1. Hermann RumsauerOct 1, 2009 07:31 AM
    Hallo, die Klasse Eurer Berichte muss ja nicht extra erwähnt werden, wenns auch immer wieder gut tut. Ein Kommentar zu Ihrer Reaktion auf die Eröffnung: Es gibt nur noch einen Opel. Ehrlich gesagt, mir wäre die Automarke egal gewesen. Und wenns schlimmstenfalls ein LKW ist. Jede Art von Fahren ist erstmal besser als Laufen. Und fahren Sie mal in einen 12-Zylinder-Jaguar von 1975, damals der Luxus pur. Trotzdem wissen Sie dann, wie gut ein Opel, Skoda, oder Dacia von heute ist.
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  2. Jörg R S HenningOct 1, 2009 08:06 AM
    Wer über Marken spricht, muss oder sollte einen Markenkern benennen können. Um mir bei Opel ein Urteil zu erlauben, habe ich zu wenig konkrete Informationen. Wobei der neue „Insignia“ meiner Ansicht nach durchaus sehenswert ist. Worum geht es bei einer Marke? Was ist die Intention? Was will „man“ bewirken, was erreichen? Das scheinen mir die richtigen Fragen zu sein.
    Das Gefühle in Sachen Werbung wesentlich sind, wissen wir nicht erst seit der Entdeckung des lymbischen Systems...

    Werbung, sollte oder muss dabei neue, mutige Wege gehen, auch wenn das manchmal (wie bei Hornbach) voll in die Hose geht. Als Unternehmensberater, Trainer & Coach erlebe ich (in Sachen Werbung) viel zu oft das, was man den ängstlichen Standard nennt. So habe ich gerade einen Spot (ja, ich bin auch eine Stimme) sprechen sollen, den ich so blöd und platt fand, das ich ablehnen musste und „meinen“ Text als Verbesserungsvorschlag mitgemailt habe. Die Antwort des Ton-Studios: „Ja, ja, das ist richtig gut, aber die machen das mit so einer Agentur...“. Es scheint also angebracht, den Kübel über der Agentur auszuschütten...

    Meine „fixen“ Ideen zu Opel sind nicht sehr spektakulär, denn ich liebe Opel einfach nicht genug. Und ein „zu Guttenberg liebt uns“ ist mir dann doch etwas zu platt. Wenn mir was einfällt, melde ich mich. Vielleicht wäre: „Zeit, Zeichen zu setzen“ ja gar nicht so doof? Dann allerdings, müsste man das Opel Signets um 90 Grad drehen – was ich längst schon (zur Freude von Zeus) gemacht hätte. Blitzgescheid, und vielleicht der Beginn eines Opel-Memplexes?

    Viele liebe Grüße
    Jörg R S Henning
    Businessrebell
    www.jrsh.de
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  3. Vielen Dank für Ihren motivierenden Beitrag, den Sie mir als Opel- Händler gesandt haben.
    Ich war bei Ihnen zu einem Vortrag, gab Ihnen meine Visitenkarte und bekomme nun regelmäßig Ihren Report. Leider ist Ihnen noch nie aufgefallen, das Sie mich mit falschem Namen begrüßen. ( der Firmeninhaber ist schon lange in Rente ) aber auch sonst scheinen Ihre Recherchen eher oberflächlich zu sein.
    Opel ist im Jahr 2009 deutlich gewachsen, trotz negativer Schlagzeilen. Wir haben mehr Marktanteil gewonnen als viele unserer Mitwettbewerber und sind die Nummer 2 im deutschen Markt.

    Ich bin 39 Jahre, fahre nicht mit Hut und umhäckelter Kloorolle Auto und verkaufe auch noch andere Marken außer Opel. Die bauen richtig gute Autos. Dafür steht Opel.
    Volksnahe Autos, super Qualität und Preis-Leistungsverhältnis und da Sie das nicht wissen, lade ich Sie gern zu einer Probefahrt ein.
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  4. Das mit dem Opel ist wortreich und unterhaltsam beschrieben, und natürlich ist ein glaubwürdiger Slogan das Geld wert, dass in seine Wertstellung investiert wurde.
    Das Kernproblem ist aber, dass GM immer eine schlechte Mutter war, die ihre Töchter verhungern lassen hat. Ohne Investitionen und Innovationen kann keine Marke überleben, die sich im harten Wettbewerb befindet. Die Wirtschaftskrise zeigt auch, welches die stärkste Marke ist: VW hat kaum Rückgänge und vergrößert so den Abstand zu den Premium-Herstellern, die zwar einen emotionalen Pluspunkt haben, aber auch reichlich viele Fahrzeuge bauen, die keiner braucht (Geändewagen-Coupés die aussehen wie Reithosen-Figur mit schnittiger Schulterpartie).
    Gruß Dieter Kühne (Marcom Manager)
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  5. kein-OPEL-fahrerOct 1, 2009 11:58 PM
    Mit Sicherheit kann über das Branding gestritten werden und ja, positive Schlagzeilen waren gerdae nicht die Kernbotschaft der letzten Monate.
    Wie es jedoch ein Stiefkind geschafft hat, aus (keine Ahnung) 60 Jahren völliger Abhängigkeit von einer Mutter, die den europäischen Markt mal komplett überhaupt nicht verstanden, halbwegs am Markt zu bestehen, ist aller Ehren wert.
    Ich halte den Artikel für sehr oberflächlich und gerade für euch täten sich hier gerade jetzt doch unglaubliche Chancen der Gestaltung auf.
    Warum ihr den Opel am Schalter nicht genomen habt kann ich nicht verstehnen. Wie verblendet muss man denn sein, ein Produkt aufgrund des mögliches Images zu verurteilen. Opel baut derzeit die besten Autos seiner Geschichte. Mut und Leidenschaft sind genau in diesen Stunden das, was Opel auszeichnet. Ihr solltet also eher den Ball aufnehmen, denn wenn ihr an das glaubt was ihr schreibt, dann beweist es und zeigt mal an einer echten Herausforderung euer Können!
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  6. Heinz GüntherOct 2, 2009 01:42 AM
    Hallo zusammen,

    das was hier diskutiert wird und was man als falsche Strategie bezeichnet nennt man fehlende Positionierung oder unzureichendes Branding. Unter Divergenzgesichtspunkten (man kann auch Charles Darwin bemühen) ist Opel am Ende, da man nicht weiss , wofür Opel steht. Im Zweifelsfalle für alles und dann hat man bereits verloren.

    Die gleichen Gründe haben GM in die Knie gezwungen. Wer speziell daran interessiert ist, durch welche Entscheidungen GM auf die Verliererstr. geschickt wurde, der kann unter www.divergenz-marketing.de "Veröffentlichungen" das Drama lesen.

    Heinz Günther
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  7. Heinz GüntherOct 2, 2009 01:53 AM
    Eines der größten Marketingfehler ist es zu glauben, dass bessere Produkte gleichbedeutend sind mit höheren Marktanteilen,

    denn Marketing ist nicht ein Kampf der Produkte (oder Geschmacksnerven bei Food Produkten). Marketing ist ein Kampf der subjektiven Wahrnehmungen. Wer das nicht akzeptiert, der versteht das Marketing nicht. An diesem Missverständnis ist auch GM gescheitert und Opel wird auch scheitern, wenn man sich nicht auf ein Feld focussiert.

    Heinz Günther
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  8. Liebe(r) carpower,

    zunächst einmal ganz herzlichen Dank für Ihren Kommentar!

    Ich würde dieses Editorial jederzeit wieder an Sie und Ihre Händlerkollegen schicken. Denn SIE und die Mitarbeiter von Opel sind doch die wirklich Leidtragenden des verfehlten Managements der letzen Jahre!

    Jetzt zuallererst wieder einen neuen Slogan zu kreieren, ist die unnötigste Bau- und Kostenstelle, die Opel im Moment braucht. Werbliche Markenkosmetik und eine Verschwendung von knappem Geld. Hätten sie doch lieber das Geld an die Mitarbeiter in Rüsselsheim, Bochum, Kaiserslautern und Eisenach verteilt und „sorry“ gesagt für das Management der letzten Jahre und das Chaos der letzen Monate.

    Nein, Opel braucht keinen neuen Slogan, sondern eine umfassende Neuausrichtung für die Zukunft. Gute Qualität und ein gutes Preis-Leistungsverhältnis werden dazu nicht ausreichen, denn das bieten Japaner, Koreaner und Tschechen schon lange.

    Nochmal danke für Ihr Feedback! Und wenn Sie uns Ihren Namen denn auch verraten, sprechen wir Sie zukünftig gerne persönlich an ;-)

    Viele Grüße!
    Peter Kreuz
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  9. Carsten WillerOct 2, 2009 06:33 AM
    Leidenschaft statt Lästerei

    Eigentlich lese ich Ihre Editorials immer mit Begeisterung. Dieses Mal war ich echt enttäuscht. Vielleicht liegt es daran, dass Sie – gefühlt – meistens Leidenschaft bei mir entfachen konnten. Hier wurde nur drauf gehauen und dann auch noch oberflächlich argumentiert.

    Der Aufhänger Ihres Editorials „neuer Claim“ funktioniert bei mir nicht. Claims werden innerhalb der Markenführung meiner Meinung nach maßlos überschätzt. Warum hat fast jedes kleine wie große Unternehmen einen Claim? Weil Agenturen Claims verkaufen – ein gutes Geschäft.

    Klar sind Audi und BMW in ihrer Markenführung stringenter als Opel. Aber das an den Claims festzumachen, ist keine gute Idee. Mal ehrlich: „Vorsprung durch Technik“ oder „Freude am Fahren“ sind generisch und altbacken zugleich.

    Was für einen Claim hat Mercedes-Benz zurzeit eigentlich? Ich weiß gar nicht mehr, wann ich „Die Zukunft des Automobils“ das letzte Mal gelesen habe. Bei der wertvollsten bzw. teuersten Marke der Welt wird der Claim übrigens kontinuierlich verändert. Das gehört bei Coca Cola offensichtlich zur Strategie.

    Und was für einen Claim haben Unternehmen, die gerade die Welt verändern? Google? Facebook? Will sagen: Die Bedeutung des Claims konvergiert wahrscheinlich gegen Null. Egal. So what.

    Ich bin bestimmt kein Opel-Fan und weiß, dass nicht nur das Unternehmen, sondern auch die Marke Opel an einer Kreuzung mit Abzweig ins Jenseits steht. Aber für mich kommt dieses Editorial nur als Lästerei daher und hat keine Substanz. Ich wünsche mir in Zukunft wieder Leidenschaft und Innovation. Bitte!

    Carsten Willer
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  10. Hallo Herr Willer,

    danke fürs Feedback. Mir ist es wichtig, den folgenden Sachverhalt gerade zu rücken: Es geht nicht um ein oberflächliches Draufhauen auf einen neuen Claim. Was uns aufregt: wertvolle Energien und Ressourcen, die zu 100 Prozent in die Gestaltung der Zukunft der Marke Opel geleitet werden müssen, werden auf einem – wie Sie richtig anmerken - Marketing-Nebenschauplatz vergeudet. Das ist der Punkt, der uns massiv gegen den Strich geht. Wenn Sie das als oberflächlich empfinden, dann könnten wir in diesem Fall nicht unterschiedlicherer Meinung sein.

    Mit unverändert leidenschaftlichen Grüßen

    Anja Förster
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  11. Udo Keller / keller ! consultingNov 16, 2009 09:03 PM
    Komplett richtig und ein sauber pointierter Artikel, werte Kollegen!

    Ja, mir tun die MitarbeiterInnen von Opel auch leid. Aber so sieht´s nun mal aus: Wer dilletantisch Marketing betreibt, den Vertrieb vernachlässigt, sich in einer sinnsuchenden Denkschleife bewegt und dies mit einer Design- und Produktpolitik verknüpft, die wirrer nicht sein kann, der hat nicht nur die alte AIIDA-Formel (attention, interest, IMAGE, desire, action) falsch ausgerechnet, sondern handelt verantwortungslos seinen Kunden und Mitarbeitern gegenüber.

    Und ob nun GM immer ´ne schlechte Mutter war, das sei dahingestellt. Andere Kinder ziehen auch nicht erst nach 80 Jahren von zu Hause aus!

    Jetzt ist es natürlich etwas schwierig, für das uralte Nesthäkchen noch einen Partner zu finden. Da nützen neue Werbe-Slogans auch nichts. Das musste vor Jahrzehnten PEPSI schon begreifen lernen.

    Und so manch ein Politiker redete vor der Wahl von der Rettung der Arbeitsplätze. Schön und verständlich, aber ich kenne nicht ein Unternehmen, welches als Hauptmotivation zur Gründung die Schaffung von Arbeitsplätzen im Sinn hatte.

    Nun ist Opel kein kleines, aber ein doch eher kleinmütiges Unternehmen. Die ganze Kreativität der Mitarbeiter, das Entwicklungs-Know-how, das menschliche Engagement - alles steht jetzt wieder im Fokus. Warum jetzt erst?!

    Opel hat sich auf den Markt eingelassen, auf dessen z. T. überholte Spielregeln. Und der Markt / Kunde / Mitarbeiter auf Opel. Sie predigen noch immer Wachstum, Wachstum, Wachstum. Wer sich an seine Schulzeit und an die naturwissenschaftlichen Fächer erinnert, der weiß, das es dort, wo etwas einen Anfang nimmt, auch immer ein Ende geben wird.

    Hängt man aber diesem alten Denken nach, so bekommt der Begriff Verdrängungswettbewerb schon wieder eine ganz andere Bedeutung.

    Ich wünsche den Leuten von Opel trotzdem alles Gute.

    In diesem Sinne: Einen schönen, guten Morgen - und Freude am Fahren!
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