Echo

Dumme Kurzfrist-Denke

Vor ein paar Wochen war's. Wir kommen morgens in die Küche und aus der Wand fließt Wasser. Rohrbruch – na super! Jetzt heißt es: Hoffentlich bei der Allianzürichcosmosaxa versichert! Denn die ersetzt zwar keinen Klempner, kann aber doch wenigstens die finanziellen Folgen mildern. Dafür zahlt man doch Beiträge, oder? Tatsächlich hat unsere Versicherung (natürlich keine, auf deren Namen wir hier anspielen) den Schaden voll übernommen ... und uns umgehend die fristlose Kündigung geschickt.

Oooookay! Das ist völlig legal. Und kein Problem. Unser Versicherungsmakler hat uns umgehend eine neue Police besorgt. No big deal. Aber wir fragen uns schon: IST DAS AN DUMMER KURZFRIST-DENKE NOCH ZU ÜBERBIETEN?

Die Versicherungsbranche ist zweifellos ein hartes Pflaster und die Klagen sind groß: Die Welt ist schlecht, die Wirtschaftswelt noch schlechter: Verdrängungswettbewerb, Preiskampf, schwindende Kundenloyalität. Aber die Frage lautet doch: Was sollen Kunden denn machen, wenn sie sofort rausgeschmissen werden, sobald sie es wagen, eine Leistung, für die sie bezahlt haben, in Anspruch zu nehmen? Dermaßen konditionierte Verbraucher suchen sich IMMER den billigsten Anbieter und sind SOFORT weg, wenn ihnen etwas nicht passt. Loyalität ist eben keine Einbahnstraße!

Und dann geht der Teufelskreis los: Beitragseinnahmen schrumpfen. Erträge sinken. Es wird gespart, Mitarbeiter werden entlassen. Und mit Blick auf die Kundenrentabilität wird durchgegriffen. Und damit wieder von vorne: Beitragseinnahmen schrumpfen ... usw.

Jeder weiß, dass es viel teuer ist, Neukunden zu gewinnen als Bestandskunden zu halten. Das PRINZIP DER NACHHALTIGKEIT kennen die Menschen schon, seit es Ackerbau und Viehzucht gibt, also seit rund 7500 Jahren. Das Prinzip geht so:
Es ist viel einfacher, zeit- und energiesparender, Rinder und Schafe zu züchten, die ihr Fleisch, Milch, Leder, etc. wie von selbst vermehren, als immer wieder auf die risikoreiche Mammutjagd zu gehen. Der Bestandskunde ist das Haustier – die Methode heißt Pflege, das Ergebnis ist nachhaltiges Wirtschaften. Das Mammut ist der Neukunde – die Methode heißt Jagd, das Ergebnis ist ein immer wiederkehrender Kraftakt, der stets bei Null beginnt. Ohne den Evolutionsschritt von der Kurzfrist-Denke zur Nachhaltigkeit würden wir heute noch in Höhlen wohnen. Warum im Business heute methodisch dahinter zurückfallen?

Ganz im Gegenteil, es ist Zeit für den nächsten Schritt: Kunden an die Macht! Unternehmen, die ihren KUNDEN DIE KONTROLLE ÜBERLASSEN, werden erleben, wie diese das honorieren. Einer Versicherung, die wir als fairen und zuverlässigen Partner erleben, bleiben wir treu. Unternehmen, die dieses Prinzip verstanden haben, können aus Kunden Fans machen. Und diese Fans werden vielleicht sogar zu Botschaftern der Marke, die jede Außendienstmannschaft in den Schatten stellen, wie das Beispiel Lululemon in dieser Ausgabe zeigt. Dazu muss man keine Lifestyle-Produkte anbieten. Selbst ein Versicherungsunternehmen kann Menschen so überzeugen, dass sie von „ihrer“ Versicherung schwärmen. Wir wären dazu bereit. Nur: Wo ist die Versicherung, die das verstanden hat?


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11 Kommentare - Kommentar jetzt schreiben:

  1. Wolfgang HansesNov 5, 2009 01:13 AM
    Es gibt Sie doch, diese Versicherung.
    Die WERTGARANTIE Technische Versicherung.
    Kein Rausschmiss beim Schadensfall, 8 Std. Schadenregulierung, super freundliches Personal.
    Der Gedanke: Immer für den Kunden. Ich arbeite seid über 30 Jahren mit der WERTGARANTIE zusammen. Noch N I E gab es ein solches Problem.

    MFG.

    Wolfgang Hanses,

    Euronics Hanses, Sinzig
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  2. Die Titelstory spricht mir aus der Seele.
    Danke für das großartige Bild des Wechsels auf eine höhere Kulturstufe, von der des Jägers und Sammlers auf die des Ackerbauers und Viehzüchters!
    Mit diesem Bild vor Augen könnte der erforderliche Kulturwechsel in Unternehmen vielleicht einfacher zu verwirklichen sein. Und um nichts geringeres geht es, deshalb fällt es den Akteuren ja so schwer, das offensichtliche auch zu tun.
    Die ersten Ackerbauern und Viehzüchter wurden bestimmt verlacht: Wie blöd, dem Auerochsen die Gelegenheit zur zeitraubenden Vermehrung zu geben, statt ihn aufzuessen! Wie bescheuert muss man sein, die leckeren Körner in die Erde zu legen und ein halbes Jahr zu warten, statt sie unverzüglich zu Brei zu verarbeiten!
    Wer nur in Quartalsberichten denkt, findet so etwas wahrscheinlich wenig sinnvoll.
    Herzliche Grüße, weiter so!
    Frank Deja, www.dejacom.de
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  3. Und auch technisch gesehen ist der Rausschmiss kurzsichtig: Die Rohre in der Küche sind ja jetzt erneuert, evtl. war der Rohrbruch sogar ein Anlass, die gesamte Hausinstallation durchzusehen und andere Schwachstellen prophylaktisch zu reparieren - alles auf Kosten der Versicherung, die die Früchte ihres Investments (=die Reparaturkosten) nicht mal genießen kann (nämlich die geringere Wahrscheinlichkeit weiterer Rohrbrüche).

    Hier in Süddeutschland kommentiert man solche Vorgänge mit einem Stoßgebet: "Herr kei Hira ra" (Herr bitte lass Hirn vom Himmel regnen) :-)))

    Grüße, Ralf Steck http://www.die-textwerkstatt.de
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  4. Klasse! Danke fürs Feedback. Ich habe herzhaft gelacht, als ich die Stelle las, dass die ersten Viehzüchter bestimmt verlacht wurden, weil sie so doof waren, den Auerochsen nicht aufzufressen. Tragisch ist allerdings, dass diese Denkhaltung heute noch in vielen Köpfen fortbesteht.
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  5. Hallo, wie immer sprechen meine Lieblingsautoren vielen Menschen aus der Seele und das witzig. Weiter so! Das ist das Gute an der heutigen Internetzeit: Die Firmen können nicht mehr machen was sie wollen. Der Preisdruck etc. wird zwangsläufig zum Umdenken zwingen. Einen Tag ohne Versicherungsschaden wünscht Jenny. Es lebe die faire und nachhaltige Wirtschaft. Bestes Beispiel: Die geniale aber leider verstorbene Anita Roddick.
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  6. Pia Werner, Europäische ReiseversicherungNov 5, 2009 11:01 PM
    Sehr geehrte Frau Förster,
    eigentlich ist es eher unüblich, dass jemandem nach NUR EINEM Schadenfall gekündigt wird. Man bedenke aber, dass auch Versicherungen rechnen müssen und aus dem Verhältnis Prämien-Schäden leben.
    Bei jeder KFZ Versicherung erhöhen sich Ihre Versicherungsbeiträge, wenn Sie einen Unfall verschuldet haben- zumindest bei uns in Österreich.
    Ihre Idee, dass Kunden einer Versicherung "Fans" werden und für ihre Versicherung schwärmen, ist wenig realistisch. Versicherungen haben in der Bevölkerung ein Image, das da lautet: " Die bereichern sich nur, im Schadensfall zieren sie sich dann...."

    Oder, wie Sie schreiben: " Da zahle ich brav meine Beiträge und dann fliege ich raus..."
    Ich betreue Hotelpartner in Österreich und höre oft:
    " Ihr verdient ja gut an uns", wenn es wenig Schäden gab. Wenn es aber sehr viele Schäden gab und wir "drauflegen" mussten, reibt man sich die Hände und meint: "Ist ja schließlich euer Risiko!"
    Richtig, es ist unser Risiko, wir kündigen keine Hotelpartner, bei denen das Verhältnis nicht mehr stimmt. Aber Fans werden diese nur aufgrund dieser Tatsache nicht.
    Fans bekommt man durch Vertrauen, Emotionen und persönlichen Bezug.
    Hätte man Sie nicht gekündigt, hätten Sie sicher keinen- auch nicht positiven- Artikel über diese Versicherung geschrieben, denn Sie setzen es als selbstverständlich voraus, dass geleistet wird! Und ob Sie sich als Fan geoutet hätten, nur weil man den Rohrbruchschaden übernommen hat, bezweifle ich ebenfalls!
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  7. Liebe Frau Werner,

    vielen Dank für Ihren Kommentar und die Darlegung Ihrer Sicht. So lange Sie der festen Überzeugung sind, „dass Versicherungen niemals Fans haben können“ werden Sie Recht behalten. Unsere Überzeugungen bestimmen immer die Obergrenze des Möglichen.
    Möglicherweise gehen Sie aber genau damit einem typischen Branchendogma auf den Leim, indem Sie sich das zu Eigen machen, was in Ihrer Branche für möglich gehalten wird.

    Gegenbeispiel: Wie ist es möglich, dass die amerikanische USAA-Versicherung (www.usaa.com) seit Jahren schon immer zu den Top 5 „Customer Service Champs“ in den USA gehört (http://tinyurl.com/abjb8h)? Eine Versicherung, die echte Fans hat, begeisterte loyale Kunden, die für dieses Unternehmen schwärmen und ihren Freunden und Bekannten weiterempfehlen? In den USA genießen Versicherungen generell auch nicht den allerbesten Ruf. Das sollte aber niemals ein Argument sein, es in seinem eigenen Unternehmen nicht zu versuchen, anders zu machen.

    Und sorry: Wenn Versicherungen in der Bevölkerung nicht das beste Image haben, sollten Sie nicht mit dem Finger auf die fiesen Kunden zeigen. Wenn die von uns beschriebene Kurzfristdenke in der Branche vorherrscht, dann hat die Branche das schlichtweg nicht anders verdient.

    Dass es zum Beispiel auch im deutschsprachigen Raum anders geht, haben uns Zuschriften auf das Editorial gezeigt: Da gibt es z.B. die Sicherheitswelt der Baloise Versicherung (http://tinyurl.com/ykx3p3w) oder die WERTGARANTIE Technische Versicherung (http://tinyurl.com/yknamnh). Um nur mal Zwei zu nennen.

    Und ja: Hätte die Versicherung gezahlt und uns nicht gekündigt, hätten wir darüber nicht geschrieben. Denn das ist nichts weiter als die Erfüllung der Geschäftsbeziehung. Wir schreiben auch nicht darüber, dass die Müllabfuhr unsere Mülleimer gerade leert, der Bäcker heute Brot gebacken hat, der Briefträger uns Briefe gebracht hat und die Autowerkstatt die Winterreifen montiert hat. Mit der sorgfältigen Erfüllung und Abarbeitung seiner Aufgaben gewinnt man heute weder Fans und noch irgendeinen Preis.
    Wie hieß es schon im Cluetrain Manifest: „Die Unternehmen müssen von ihren Elfenbeintürmen herabsteigen und das Gespräch mit den Menschen suchen, mit denen Sie hoffen, eine Beziehung aufbauen zu können.“

    Peter Kreuz
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  8. Pia Werner, Europäische ReiseversicherungNov 6, 2009 10:13 AM
    Lieber Herr Kreuz,

    Ich habe Ihren Newsletter abonniert, weil ich den Vortrag von Frau Förster in Salzburg toll gefunden habe.
    Sie hätten Ihren Bericht nicht 3 x senden müssen, ich habe ihn auch so verstanden.
    Ich bin erst seit nicht mal 2 Jahren bei der Versicherung, war 20 Jahre Toruistikerin. Da hatte ich von heute auch morgen mit einem anderen Image zu tun, mußte wirklich umdenken.
    Also weiß ich, wovon ich spreche. Da können Sie sicher sein.
    Wenn Sie meine Hotelpartner fragen, dann sehen Sie, dass diese auch "Fans" von mir sind.
    Sie empfehlen uns sehr oft weiter!
    Denn ich bin authentisch, ich berate über das Limit, ich bin auch da, wenn die Zentrale bereits zu hat. Nur, dieses Engagement ist persönlich!
    Sie pauschalieren, dass jede Firma dieses überdurchschnittlliche Engagement für ihre Kunden haben sollte. Meine Frage: Wer soll das bezahlen? Wochenenddienste, 80-Std- Woche?
    Die Kunden? Die wollen doch den günstigsten Preis..

    Ich bin Individualist, ich mache es gerne, weil ich mit Leib und Seele Touristikerin bin.
    Nicht, weil ich dafür bezahlt werde.
    Da ist doch in Wirklichkeit der Haken!
    Und sehen Sie, was mich an Ihrem Artikel am meisten gestört hat, haben Sie selbst zugegeben. Selbstverständliche Leistungen werden von niemandem honoriert.
    Auch dann, wenn sie gar nicht selbstverständlich sind, nur so erscheinen!
    Was meinen Sie, für wie viele Kulanzen ich mich in meiner Firma krumm mache, nur, um meine Hotelpartner zu unterstützen?
    Mit dem Resultat, dass man es meist in den Hotels als selbstverständlich abtut. Dabei ist es das nicht!
    Ich kämpfe an der Basis und für meine Partner. Ich lade Sie gerne ein, mich einen Tag zu begleiten! Ich bin mindestens 4 Tage in der Woche im Außendienst unterwegs.
    Dann können Sie sich ein Bild machen selbst ein kompetentes Urteil fällen.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Pia Werner
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  9. Liebe Frau Werner,

    vielen Dank für Ihre Antwort. Wollen wir einfach mal ein Viertelstündchen miteinander telefonieren? Ich denke, dann können wir alle offenen Punkte klären. Wenn Sie Lust haben, schicken Sie mir einfach Ihre Telefonnummer an info (at) foerster-kreuz.com und ich ruf' Sie an…
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  10. Pia Werner, Europäische ReiseversicherungNov 8, 2009 12:27 PM
    Danke,
    wie Sie nun sehen, können auch Sie Fans verlieren....
    Liebe Grüße,
    Pia Werner *ehem. Kurzfristfan*
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  11. Na, das freut mich aber!
    Schade, dass die angestoßene Debatte in Kommentare über Vorzüge und Nachteile einzelner Versicherungsgesellschaften abgeglitten ist.
    Dabei wäre es doch sehr interessant, sich zu fragen, was Kunden zu Fans macht – es sind ja oft Kleinigkeiten, die allerdings nur aus einer inneren Haltung heraus zustande kommen können.
    Diese ist nicht zu verwechseln mit der Bereitschaft, es jedem Recht machen zu wollen: damit gewinnt man keine Fans sondern verliert Profil. Schlimmer noch: wer es jedem Recht machen will, entwickelt irgendwann Groll gegen die "undankbaren" Adressaten seines Handelns. Das ist dann ganz schlecht für die Haltung!
    Bin gespannt auf die nächsten BB Reports; es gibt sicher wieder Anknüpfungspunkte, um die Diskussion neu aufzunehmen.
    Mit bestem Gruß aus Köln
    Frank Deja, www.dejacom.de
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