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TopCoder - Crowdsourcing als Geschäftsmodell

Über Internet-Communities, Blogs und Wikis reden gerade alle. Klar ist, dass es ohne nicht mehr geht. Aber unklar ist, wie man mit den Möglichkeiten des Web 2.0 Geld verdienen kann. Dachten wir, bis wir auf TopCoder, eine Softwarefirma aus Boston, gestoßen sind.

Das Unternehmen hat ein verdammt interessantes Geschäftsmodell: Es entwickelt Software ohne einen einzigen Programmi
erer zu beschäftigen. Wie das geht? TopCoder betreibt Crowdsourcing und lässt Community-Mitglieder für sich arbeiten. Mit Erfolg. Über 200.000 Programmierer sind im TopCoder-Netzwerk und auf deren Wissen und Ideen kann sich die Firma verlassen.

Quelle: www.topcoder.com

So läuft das Geschäftsmodell: TopCoder akquiriert Aufträge für maßgeschneiderte Software-Lösungen. Diese Aufträge werden dann in Teilschritte gestückelt, die ähnlich wie bei einem Architektur-Wettbewerb ausgeschrieben werden. Meist beteiligen sich 10 bis 20 Programmierer an der Ausschreibung, die Bezahlung bei Erhalt des Zuschlags liegt im fünfstelligen Bereich.

Expertise ist der Schlüssel und
gleichzeitig der Antrieb für die Community-Mitglieder, sich an den Ausschreibungen zu beteiligen. Den Auftrag einzufahren und in der Software ihre Signatur zu hinterlassen ist für die Computer-Cracks mindestens genauso wichtig wie die Bezahlung.

Am Ende setzt Top
Coder die Teilstücke wieder zusammen und liefert an den Kunden. Augenscheinlich zu deren Zufriedenheit: Seit der Gründung von TopCoder ist der Umsatz auf 20 Millionen Dollar gewachsen. Nachahmen lässt sich dieser Erfolg sicher nicht direkt. Doch lernen kann man daraus.

Quelle: www.topcoder.com

Das Internet-Zeitalter verlangt nach neuen Managementprinzipien:
 


1. Manager strukturieren den Prozess – und machen dann den Weg frei. Wie lässt sich ein Team managen, das man nie persönlich getroffen hat und dessen Mitglieder nicht zum Unternehmen gehören? Antwort: Indem das Unternehmen die Spielregeln und das Spielfeld definiert, letzteres aber dann den freien Mitarbeitern überlässt. Darin steckt eine fundamental andere Art des Managements.

2. Aufgaben werden gewählt, nicht von oben verteilt. Bei TopCoder entscheidet der einzelne Programmierer selbst, ob er sich an einem Projekt beteiligt oder nicht. Wie und wo er sich einbringt, ist seine Sache. Doch entscheidet er sich dafür, dann auch mit voller Einsatzbereitschaft und Energie. Theoretisch ist das in fast jeder Firma denkbar – wenn man bereit ist sich vom alten Konzept des „Führens“ zu verabschieden. Es entsteht dann eine Art unternehmensinterner Markt, in dem Angebot und Nachfrage an einzelnen Projekten oder auch nur Prozessschritten zusammenfinden.

3. Belohnt wird, wer sich engagiert. Die Projekte bei TopCoder “gehören“ tausenden Individuen, die ständig neu darüber entscheiden, wie und wo sie ihre wertvollste Währung investieren: ihre Arbeitskraft. Denkbar in der traditionellen Unternehmenswelt? Wir fürchten: Nein. Dort werden in aller Regel Projekte und Aufgaben zugeteilt, von oben nach unten. Aber grundsätzlich übertragbar auf alle möglichen Unternehmen, auch solche, die mit IT und Internet nichts zu tun haben? Wir meinen: Ja.

Können Sie sich diese Managementprinzipien in Ihrem Unternehmen vorstellen? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare.

LINKTIPPS
Homepage TopCoder
TopCoder bei Wikipedia
Xconomy, Wade Roush, "Crowdsourcing Software Long Before Crowdsourcing Got Cool"


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5 Kommentare - Kommentar jetzt schreiben:

  1. Hey, spannender Post zu einem spannenden Thema. Dieses Geschäftsmodell existiert auch im Bereich der kreativen Dienstleistung. Seiten wie http://99designs.com und http://www.designenlassen.de (dieses Protal betreibe ich selbst) funktionieren nach einem ähnlichen Prinzip, hier beteiligen sich Grafiker an Kreativ-Wettbewerben und das beste Design gewinnt am Ende.
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  2. Sehr interessanter Hinweis. Danke.
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  3. Stefan FourierDec 4, 2009 01:10 AM
    Wir haben bei Humanagement mit diesem Prinzip sehr gute Erfahrungen gemacht. Sowohl bei Consulting- als auch Trainingsprojekten bieten wir Teile daraus unseren Professionals an. Die Einheitlichkeit des Vorgehens in den Projekten wird durch verschiedene Supervisionsformen und vor allem durch die regelmäßigen Professional-Events gesichert.

    Wir sind gerade dabei, diese virtuelle Zusammenarbeit zu digitalisieren, um damit noch mehr Talente und Mitstreiter zu gewinnen. Die Welt ist bunt und dadurch wird sie noch bunter!
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  4. aber bei dem Prinzip sollte man doch auch bedenken, dass die Ressource menschliche Arbeitskraft begrenzt ist. Wie soll es denn dann möglich sein, sich Projekte auszusuchen? Muss es nicht auch oft so sein, im Interesse des Unternehmens, dass man Arbeiten macht, die vielleicht nicht so motivierend sind?
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  5. Dr. Peter KreuzDec 8, 2009 12:22 PM
    Klar gibt es Projekte, die nicht so motivierend oder spannend sind. Wenn ein solches Projekt trotzdem über einen Wettbewerb ausgeschrieben wird, hat das zur Konsequenz, dass der Preis entsprechend steigt, damit das Mitmachen attraktiv wird. Angebot und Nachfrage regeln den Preis.
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