Mit Coca Cola hätte dieses Ausnahmetalent nicht zusammenarbeiten müssen, als er vom Konzern gefragt wurde: Können Sie uns beim Entwickeln einer neuen Getränkezapfanlage helfen? Er konnte tatsächlich, denn seine Firma DEKA verfügt über besonderes Know-how beim Messen, Mischen und Transportieren von Flüssigkeiten. Zwar für medizinische Apparate und Anwendungen wie Chemotherapie, aber Flüssigkeiten eben, aus Ingenieurssicht das Gleiche. Nur, warum sollte er das tun?
Er tat es – und forderte von Coca Cola im Gegenzug Unterstützung für ein Charity-Projekt, das Kinder weltweit mit Trinkwasser versorgt. Das ist, was uns begeistert: Eine wunderbare Win-win-win-Situation.Was Kamen dann entwickelte, heißt "Freestyle" und ist eine Art Eier legende Wollmilchsau der Zapfanlagen. Gewöhnliche Zapfanlagen bieten bis zu acht verschiedene Getränke an. Der Freestyle? 100! Das Prinzip dahinter ist das Gleiche, wie das eines Farbdruckers: Statt mit Sirupkonzentraten arbeitet Kamens Erfindung mit Patronen. In jeder ist nur eine hochkonzentrierte Zutat, die dann für jedes Getränk in den gewünschten Mengen neu zusammen gemischt werden. Einmal ordentlich quergedacht und schon ist die scheinbar völlig ausgereizte Technologie revolutioniert. Fantastisch!
Dadurch besteht erstmals die Möglichkeit für den Kunden, sich selbst neue Getränkekreationen zusammenzumixen. Himbeer-Coke? Na klar, drücke einmal hier und einmal da. Die Umsätze erhöhten sich dadurch im Testlauf im zweistelligen Bereich.
Der Clou: Kamen hat diese Zapfanlagen drahtlos mit der Zentrale von Coca Cola vernetzt. So weiß der Konzern nicht nur, wann welche Patrone gewechselt werden muss, sondern auch, welche Mischung sich am besten verkauft. Beispielsweise wurde schnell klar, dass koffeinfreie Diet-Coke vor allem am Spätnachmittag ein Renner ist, obwohl es in der Gesamtstatistik eher weniger stark läuft. Für die Entwicklung von neuen Produkten ist damit jeder Zapfhahn ein Marktforschungslabor unter Realbedingungen. Für jeden Marketingprofi der Traum schlechthin!
Und da die Patronen deutlich leichter sind als die Sirup-Container, hält der Freestyle darüber hinaus die Logistik-Kosten gering. Bei Coca Cola hat man sich sicher gefragt, warum man nicht schon sehr viel länger mit Dean L. Kamen zusammen gearbeitet hat. Es muss wie ein Weckruf gewesen sein: Wer hätte gedacht, dass man ein bestehendes System derart umkrempeln kann?
Und jedem, der jetzt denkt „Ja,
bei Zapfanlagen scheint das zu gehen – aber bei meinem Produkt?“ sei gesagt: Wenn selbst ein Branchen-Elefant wie Coca Cola das fertig bringt, dann können Sie das schon lange!LINKTIPPS
Dean Kamen bei Wikipedia
TED Talk: Dean Kamen on inventing and giving
Business Week: Dean Kamen Reinvents Coke's Soda Fountain
Interview und Beschreibung von Dean Kamen im Guardian
Deka Homepage
Coca Cola Homepage
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