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Dem Tata Nano-Auto folgen jetzt die Nano-Appartments

Gerade wurde in Dubai das höchste Gebäude der Welt eingeweiht: Burj Chalifa, der Turm des Kalifen. Als wir im vorletzten Jahr an der Baustelle standen, haben wir uns gefragt: Ist es das, was die Menschen wirklich wollen? Immer noch größer? Noch höher? Noch gigantischer?

Oder ist dieses Streben nach Superlativen nicht längst überholt? Der indisch-amerikanische Ökonom C.K. Prahalad predigt es schon lange: Es b
ringt nichts, immer weiter nach oben zu denken, immer mehr Richtung Premium und Luxus. Unternehmen müssen auch attraktive Produkte für die Kunden aus dem unteren Teil der Einkommenspyramide entwickeln und zwar mit Blick auf den gesamten Globus. Für all die Menschen in Afrika, in China, in Indien oder in Brasilien, die zur Arbeit gehen, die Geld verdienen, aber für die selbst viele günstige Produkte immer noch zu teuer sind. Prahalad hat dafür das Akronym BOP geprägt: "Bottom of the Pyramid".

Besonders westliche Player nehmen diese riesige Zielgruppe oft gar nicht wahr und lassen sich auf deren Märkten die Butter vom Brot nehmen. Zum Beispiel von Mahindra & Mahindra, einem indischen Unternehmen, das wir bereits in unserem Querdenk-Cast aus Delhi vorgestellt haben und das auf qualitativ gute Low-Tech-Produkte zu extrem günstigen Preisen setzt. Oder von Tata.

Aufsehen erregte Tata im letzten Jahr mit dem billigsten Auto der Welt: Der Nano, der im Juli zum ersten Mal ausgeliefert wurde. Er kostet 100.000 Rupien, also 1.700 Euro. Und weil das Angebot auf große Nachfrage stieß, stieg Tata prompt mit der gleichen Idee in den Wohnungsbau ein.

Am Rand von Mumbai entstehen zur Zeit 1.244 Mini-Wohnungen. Nano-Appartments mit einer Fläche von nur 20 Quadratmetern, die Tata zum Discount-Preis von 5.600 Euro verkauft. Um diesen Preis möglich zu machen, hat sich Tata von vielen Standards heutigen Wohnungsbaus verabschiedet, darunter dem vierten Stock. Ab dem dritten wird die Statik nämlich kompliziert. Die Mauern sind aus gegossenen Betonklötzen, nicht aus Stein, und Aufzüge gibt es natürlich auch keine. Alles ist technisch sehr schlicht – und kann so auch von ungelernten Arbeitern sehr schnell zusammengebaut werden.

Tata beweist damit klugen Geschäftssinn: Allein in Indien gibt es aufgrund der Einkommensstruktur der Bevölkerung einen Markt für das Nano-House von beinahe 200 Millionen Kunden. Tippen Sie mal in den Taschenrechner: 200 Mio. mal 5.600 Euro... Und dann wären da noch China, Brasilien, Indonesien...

Dass die Strategie, die Tata so erfolgreich macht, auch für andere Firmen funktionieren kann, wollen VW und Suzuki unter Beweis stellen: Beide planen ein Konkurrenzprodukt zum Nano. Bis westliche Wohnungsbauunternehmen beginnen, die Märkte am "Bottom of the Pyramid" zu erschließen, wird wohl noch Zeit vergehen.

Manchmal genügt es, in die Hocke zu gehen, um die Welt aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Von unten.

LINKTIPPS
Homepage Tata Housing
Business Week: Tata's Nano Home
Wall Street Journal: Tatas' Nano Housing Plan (Registrierung notwendig)
Wikipedia: Tata Nano
Wikipedia: Base of the Pyramid
Förster & Kreuz Querdenk-Cast aus Delhi


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