Vor 200 Jahren wurde Charles Darwin geboren, vor rd. 150 Jahren erschien sein Werk "Über die Entstehung der Arten" und vor vier Wochen haben wir Darwins Thesen quasi live überprüft: In Südafrika, in Kwazulu Natal.
Wir waren auf einem "Morning Walk", um kurz nach Sonnenaufgang nach Elefanten Ausschau zu halten. Unser Wildhüter wollte unsere Erwartungen dämpfen: „Elefanten mit großen Stoßzähnen werdet Ihr kaum sehen.“ Große Stoßzähne hat Mutter Natur nämlich per Evolution kurzerhand abgeschafft.
Wieso das? Weil die Evolution ein feines Gespür für sich wandelnde Märkte hat: Waren früher Elefanten mit großen Stoßzähnen der Renner, sind sie heute das Ziel von Wilderern und haben deshalb leider kaum mehr Chancen, sich fortzupflanzen. Die entsprechenden Gene waren ruckzuck aus dem Verkehr gezogen, in biologischen Maßstäben eine Blitzrückholaktion. Ein anderes Modell hat plötzlich viel bessere Marktchancen: Der „Tuskless Elephant“ – der ohne Stoßzähne.
Das Leben kann keine Voraussagen machen, keine Veränderungen vorwegnehmen – aber es kann sich unglaublich clever anpassen. Und das ganz offensichtlich verblüffend schnell. Das Überlebensprinzip lautet: Vielfalt und Auslese – immer neue Varianten ausprobieren und ständig dazulernen. Erfolg und Misserfolg sind beides wertvolle Informationen über die richtige Richtung. Wer experimentiert ist klar im Vorteil.
Mit diesem Prinzip bleiben Unternehmen auch dann am Markt, wenn sich das Umfeld rasch ändert. Es ändert sich derzeit immer schneller und überraschender. Und die Unternehmen mit den großen Stoßzähnen – bleiben auf der Strecke.
„Warum gelingt es der Nation, die uns einst dazu brachte, Autos zu lieben, nicht, eine einzige Familienlimousine zu bauen, die den Stil, den Spaß und die Anmut der Autos der 40er, 50er und 60er widerspiegelt?“ fragte Sänger und Aktivist Bono kürzlich in seiner New-York-Times-Kolumne. Die Antwort ist offensichtlich: Die amerikanische Automobilindustrie liebt große Stoßzähne!
Wer auf den Märkten von heute bestehen will, darf sich nicht einfach nur hinter seiner Jahrzehnte anhaltenden Erfolgsgeschichte verschanzen. Vieles ist einfach nicht planbar. Ob diese „Überraschungen“ einem Unternehmen nutzen oder schaden, hängt davon ab, ob es aktiv in die Prüfung von Alternativen zum Status Quo investiert.
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