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Tongal – Crowdsourcing als Geschäftsmodell für die Filmbranche

Eine Sache, die uns immer wieder glücklich macht: Geld verleihen. Und zwar bei Kiva.org. Kiva schafft die Verbindung zwischen Kleinstunternehmern aus der Dritten Welt und Menschen wie uns: Die Unternehmer brauchen Geld, um Vorräte aufzustocken, einen Transporter zu kaufen oder das Ladendach zu decken, damit es nicht mehr reinregnet. Wir suchen das Gefühl, ein aktiver Part nicht nur unserer, sondern auch ihrer Welt zu sein – indem wir unser Geld an sie verleihen und es auch wieder zurück haben wollen. So funktioniert aktive Entwicklungshilfe, die Menschen nicht von Spenden abhängig macht.

Eine sehr gute Sache. Allerdings auch eine, die immer mehr als einen Satz braucht, um sie zu erklären. Kiva hat deshalb nach einer Filmfirma für einen Werbefilm gesucht, der das Prinzip veranschaulichen soll. Fündig geworden sind sie bei Tongal, einem Ableger der Software-Entwickler TopCoder (ja, von denen hatten wir schon im Dezember berichtet):


Jack Hughes, der TopCoder-Gründer, hat sich mit James DeJulio zusammengetan, der aus der Filmbranche stammt. Gemeinsam haben sie das TopCoder-Rezept – Crowdsourcing – auf das Filmgeschäft übertragen: Anstatt Mitarbeiter einzustellen, schaffen sich Firmen eine Community aus Fachleuten. Kommt ein Auftrag rein, wie im Falle von Kiva ein 30-Sekunden-Werbefilm, dann wird dieser in die einzelnen Produktionsphasen zerlegt (Idee, Pitch und Video) und innerhalb der Community als Wettbewerb ausgeschrieben. Jeder kann mitmachen. Aber nur einer gewinnt. Und auch nur die besten fünf werden abgestuft entlohnt.

Die gute alte soziale Marktwirtschaft ist das natürlich nicht. Tongal hat für die ausgeschriebenen kreativen Prozesse keine Mitarbeiter, also auch niemanden, für den die Firma
Verantwortung tragen müsste. Manche werfen Jack Hughes und James DeJulio deswegen Ausbeutung vor. Crowdsourcing ist sicher keine Idee, die man beliebig auf jedes andere Unternehmen übertragen kann – zumal sich nicht jeder Arbeitsprozess in Abschnitte zerlegen und an sich rangelnde Einzelkämpfer outsourcen lässt. Man darf aber im Fall von Tongal nicht vergessen, dass die Filmbranche ohnehin schon in vielen Bereichen ein System aus Projektarbeitern ist, die sich für Aufträge zusammen finden. Und, das betonen Hughes und DeJulio immer wieder, sich niemand beteiligen muss, wenn er nicht will. Wer mitmacht, hat Spaß daran.
James DeJulio dazu: „Ich denke Crowdsourcing macht dann Sinn, wenn das Spiel zur Arbeit wird und die Arbeit zum Spiel.“ Und das ist nun wirklich ein springender Punkt! Es geht darum, den Enthusiasmus der Beitragslieferanten zu befeuern, indem sie die Chance bekommen, etwas zu leisten, auf das sie so richtig Lust haben und bei dem sie zeigen können, was sie drauf haben.

Wenn Unternehmer und Chefs ihre Mitarbeiter fragen, was sie WIRKLICH mal gerne tun würden und ihnen die Chance geben, das auch innerhalb der Firma zu tun, dann wird genau das Engagement, die Leidenschaft, die Kreativität freigesetzt, die sich jeder Unternehmer und Chef doch eigentlich wünscht. Oder?

LINKTIPPS:
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Videowettbewerb: Vorschläge und Sieger für Kiva-Video
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