Specialisterne, Mirakle Couriers & Vita Needle

Unser Treffen mit Sir Ken Robinson liegt schon eine Weile zurück (das Interview können Sie hier nachlesen), aber neulich mussten wir wieder an den Autor des wunderbaren Buchs „The Element“ denken.

Als einer der führenden Experten in Sachen Kreativität, Innovation und Bildung propagiert Robinson in seinem Buch, dass jeder sich darum bemühen müsse, sein Element zu finden. Also den gemeinsamen Nenner zwischen den Dingen, die man liebt und den Dingen, die man gut kann (also nicht „Fisch sucht Fahrrad“, sondern „Fisch sucht Wasser“). Darin liegt der Weg zu Erfolg und Erfüllung.

Wie richtig Sir Ken Robinson mit seiner These liegt, lässt sich am Beispiel von Specialisterne nachvollziehen: Die Dänen testen Software. So erfolgreich, dass mittlerweile auch Microsoft oder der IT-Berater CSC die Dienste des Unternehmens in Anspruch nehmen. Dass das Erfolgsrezept von Specialisterne aus einer Not heraus entstand, macht den Firmengründer Thorkil Sonne nur noch sympathischer.

Der 49-Jährige machte sich 2004 wegen seines Sohnes selbstständig, bei dem das Asperger-Syndrom diagnostiziert wurde, eine Form von Autismus. Sonne wollte für ihn in der neuen Firma einen Arbeitsplatz schaffen. Seine Idee: Menschen mit Asperger-Syndrom haben zwar Schwierigkeiten mit anderen Menschen zu kommunizieren und sich auf ungewohnte Situationen einzustellen – Handicaps, die sie für viele Berufe disqualifizieren – aber sie haben ein ungeheuer gutes Gedächtnis und eine enorme Konzentrationsfähigkeit. Das prädestiniert sie für das Testen von Software, das Prüfen endloser Zahlenreihen und das Pflegen komplexer Datensätze.

Thorkil Sonne hat für seinen Sohn und seine 40 Specialisterne-Mitarbeiter mit Asperger-Syndrom den Ort geschaffen, an dem sie richtig sind. An dem das, was gemeinhin als Behinderung gilt, eine Stärke ist. Darum geht es in „The Element“ von Sir Ken Robinson und das ist etwas, woran auch wir glauben: Dass es die Aufgabe von Unternehmern und Managern ist, sich ihre Mitarbeiter genau anzusehen und sie dort einzusetzen, wo sie die beste Leistung bringen können UND sich wohl fühlen. Wo ihre speziellen Fähigkeiten ihnen zum Vorteil gereichen. Arbeit und Mensch müssen zueinander geführt werden - das ist die zentrale Aufgabe von Chefs.

So wie es die Verantwortung jedes Einzelnen ist, sich selbst die Frage zu stellen: Was kann ich und was macht mich glücklich?

Und für alle, die noch nicht überzeugt sind, hier noch zwei Beispiele:

Indien ist eines der Länder mit dem höchsten Anteil an Gehörlosen weltweit. Sechs Prozent der Bevölkerung sind betroffen. Trotzdem werden diese Menschen in Indien noch viel stärker stigmatisiert und ausgegrenzt als in westlichen Ländern. Aber wenn Gehörlose einen vollwertigen Job ausführen können, bei dem Hören keine Rolle spielt und es auf ihre anderen Sinne ankommt, sind sie natürlich hoch motiviert und bringen Topleistungen. Dhruv Lakra hat in Mumbai deswegen Mirakle Couriers gegründet – einen Kurier-Service, der nur gehörlose Mitarbeiter beschäftigt.

Bei Vita Needle, einem Unternehmen aus Boston, ist der durchschnittliche Mitarbeiter 75 Jahre alt. Die jüngsten Angestellten sind um die 60. Alle anderen deutlich älter. Erfahrung hat hier Prinzip.

Und?

ALLE DREI UNTERNEHMEN SIND ERFOLGREICH!

Nicht trotzdem, sondern gerade weil sie nicht auf den perfekten Normarbeitnehmer setzen, sondern Stärken mit Anforderungen verknüpfen.

Out-of-the-Box-Denken beim Einstellungsgespräch ... probieren Sie’s aus!

LINKTIPPS
"The Element" von Sir Ken Robinson
Homepage von Specialisterne
Elmar Jung und Clemens Bomsdorf: Financial Times: Wie Autisten bei PC-Problemen helfen können
Wolff Horbach: Specialisterne arbeitet erfolgreich mit Autisten
Homepage Mirakle Couriers
Homepage Vita Needle
Burkhard Schneider: Die Rentner-Firma - bald keine Ausnahme mehr?


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