Über Aufsichtsräte schreiben wir hier eher selten, weil die Protagonisten dieser Gremien oftmals einen allzu ähnlichen Stallgeruch haben: Weiße deutsche Männer zwischen 40 und 60, die sich schön bequem in den Schaltzentralen der Macht eingerichtet haben. Mit der ursprünglichen Idee des Aufsichtsrates hat das wenig gemein. Und es ist auch fürchterlich uninteressant.
Was uns aber richtig beeindruckt: Jürgen Weber baut zurzeit den Lufthansa-Aufsichtsrat auf besondere Weise um. Mit einer ganz neuen Mitgliederkonstellation holt er sich echte Sparringspartner ins Boot. Menschen mit ganz unterschiedlichem Background. Branchenfremde mit neuem Blick und frischen Ideen, die etwas beizutragen haben.
Beispiele: Adidas-Chef Herbert Hainer soll helfen, die weltweite Entwicklung der Marke Lufthansa voranzutreiben, Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kamm soll Mittelstandsgeist in den Konzern bringen. Und von Martin Koehler, dem Geschäftsführer von Boston Consulting, der weltweite Erfahrung mit Fusionen und Billigfliegern hat, verspricht man sich die wirklich kritischen Fragen zum Luftverkehrsmarkt. Das Tüpfelchen auf dem i bei dieser Konstellation:
Die Ernannten sind mehr als nur Experten auf ihren jeweiligen Gebieten. Sie sind zehn starke Persönlichkeiten. Top-Leute, die ihre Meinung haben und die so schnell nicht von ihr abrücken werden. So ein Aufsichtsrat ist unbequem!
Unserer Meinung nach hätte Lufthansa kaum klüger handeln können.
Wer sich bewusst den Widerspruch ins Haus holt, der will wirklich weiterkommen. Wir sind überzeugt, dass gerade harte Diskussionen und unangenehme, aber wichtige Fragen ein so großes und damit wenig bewegliches Unternehmen wie die Lufthansa stärken und agiler machen werden.
Sich eine Scheibe abschneiden von dieser Initiative der Lufthansa kann sich jeder von uns: Umgebe dich nicht nur mit Menschen, die dich toll finden! Natürlich ist es viel leichter, sich mit Leuten zu beschäftigen, deren Zustimmung man sicher in der Tasche hat – Kommunikation in der Komfortzone. Nur weiterentwickeln wird man sich so nicht.
F
rederick Smith, der Gründer und CEO von FedEx ist ein Kronzeuge für dieses Prinzip. Er hat erkannt, welch großes Potenzial in persönlichen Kontakten liegt, wenn es die richtigen sind. Er fragt jeden Gesprächspartner:
„Wer war der interessanteste Mensch, dem du in den letzten Wochen begegnet bist? Und wie kann ich den kennen lernen?“
So sammelt er systematisch Kontakte zu ungewöhnlichen Menschen, die sein Denken herausfordern und ihn dadurch weiterbringen.
Wer es schafft, die vertrauten aber nichtssagenden Geschäftsessen abzusagen und sich stattdessen mit Menschen umgibt, die anders sind als er selbst, wird davon profitieren. Wer Reibung zulässt, den Kontrast sucht und es sich zur Grundhaltung macht, statt nach Expertenwissen nach Persönlichkeiten zu suchen, der wird mit Sicherheit gestärkt.
Und um sich so ein Umfeld zu schaffen, muss man nicht der Chef von Lufthansa oder FedEx sein - noch nicht einmal Führungskraft!
LINKTIPPS
Homepage Lufthansa
Übersicht der Lufthansa Aufsichtsratmitglieder
Rüdiger Kiani-Kress, Wirtschaftswoche: "Die neuen Sparringspartner im Lufthansa-Aufsichtsrat"
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Was uns aber richtig beeindruckt: Jürgen Weber baut zurzeit den Lufthansa-Aufsichtsrat auf besondere Weise um. Mit einer ganz neuen Mitgliederkonstellation holt er sich echte Sparringspartner ins Boot. Menschen mit ganz unterschiedlichem Background. Branchenfremde mit neuem Blick und frischen Ideen, die etwas beizutragen haben.Beispiele: Adidas-Chef Herbert Hainer soll helfen, die weltweite Entwicklung der Marke Lufthansa voranzutreiben, Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kamm soll Mittelstandsgeist in den Konzern bringen. Und von Martin Koehler, dem Geschäftsführer von Boston Consulting, der weltweite Erfahrung mit Fusionen und Billigfliegern hat, verspricht man sich die wirklich kritischen Fragen zum Luftverkehrsmarkt. Das Tüpfelchen auf dem i bei dieser Konstellation:
Die Ernannten sind mehr als nur Experten auf ihren jeweiligen Gebieten. Sie sind zehn starke Persönlichkeiten. Top-Leute, die ihre Meinung haben und die so schnell nicht von ihr abrücken werden. So ein Aufsichtsrat ist unbequem!
Unserer Meinung nach hätte Lufthansa kaum klüger handeln können.
Wer sich bewusst den Widerspruch ins Haus holt, der will wirklich weiterkommen. Wir sind überzeugt, dass gerade harte Diskussionen und unangenehme, aber wichtige Fragen ein so großes und damit wenig bewegliches Unternehmen wie die Lufthansa stärken und agiler machen werden.
Sich eine Scheibe abschneiden von dieser Initiative der Lufthansa kann sich jeder von uns: Umgebe dich nicht nur mit Menschen, die dich toll finden! Natürlich ist es viel leichter, sich mit Leuten zu beschäftigen, deren Zustimmung man sicher in der Tasche hat – Kommunikation in der Komfortzone. Nur weiterentwickeln wird man sich so nicht.
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rederick Smith, der Gründer und CEO von FedEx ist ein Kronzeuge für dieses Prinzip. Er hat erkannt, welch großes Potenzial in persönlichen Kontakten liegt, wenn es die richtigen sind. Er fragt jeden Gesprächspartner:„Wer war der interessanteste Mensch, dem du in den letzten Wochen begegnet bist? Und wie kann ich den kennen lernen?“
So sammelt er systematisch Kontakte zu ungewöhnlichen Menschen, die sein Denken herausfordern und ihn dadurch weiterbringen.
Wer es schafft, die vertrauten aber nichtssagenden Geschäftsessen abzusagen und sich stattdessen mit Menschen umgibt, die anders sind als er selbst, wird davon profitieren. Wer Reibung zulässt, den Kontrast sucht und es sich zur Grundhaltung macht, statt nach Expertenwissen nach Persönlichkeiten zu suchen, der wird mit Sicherheit gestärkt.
Und um sich so ein Umfeld zu schaffen, muss man nicht der Chef von Lufthansa oder FedEx sein - noch nicht einmal Führungskraft!
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