Echo

Vom Leben im Gefängnis

Irgendwo zwischen Bäckerei und S-Bahn-Station begegnen wir morgens beim Joggen regelmäßig Mr. Lustlos. Dieser Typ schlurft jeden Tag um die gleiche Zeit mit schwarzer Laptop-Tasche, hängenden Schultern und müdem Blick über die Straße, um dann vom S-Bahn-Schacht verschluckt zu werden.

Das Verrückte ist: Er ist nicht allein. Es gibt Millionen solcher Menschen. Eine ganze Armee, die jeden Tag im Zombie-Modus aus dem Haus trottet, um einer Arbeit nachzugehen, die sie als mühselig und freudlos empfindet.

Wir fragen uns: Was veranlasst Menschen, ein solches Schattendasein zu fristen? Eine Antwort haben wir bei Dostojewski gefunden:

"Wer einen Gefangen vom Ausbrechen abhalten will, muss nur sicherstellen, dass der gar nicht weiß, dass er sich in einem Gefängnis befindet."
So freudlos und monoton so ein Leben auch sein mag, Mr. Lustlos hat seine Gründe für seine Entscheidung: Das Gefängnis gibt ein Gefühl der Sicherheit. Sein Leben selbst in die Hand nehmen? Eine Arbeit suchen, die ihm Spaß macht? Die ihm Energie gibt und Lebensfreude schenkt? Das wäre ja auch anstrengend: Die Last der Verantwortung ... Das Risiko, Fehler zu machen ... Nein, auf dem Beifahrersitz des Lebens ist es sicherer!

Aber nichts ist bedrückender, als einer geraden, vorgegebenen Sicherheitslinie zu folgen. Darum geht es doch im Leben: zu erkennen, dass die Wirklichkeit eine riskante Sache ist – und die damit verbundenen Möglichkeiten zu nutzen.

Wir haben uns gegen die Sicherheitslinie entschieden. Sie auch?
 

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2 Kommentare - Kommentar jetzt schreiben:

  1. Wieder mal ein hervorragender Artikel - raus aus der Komfortzone, weg vom Beifahrersitz des Lebens, hin zum Risiko, welches das wahre Leben bedeutet - klasse!

    Ich habe mir erlaubt, mit diesen Artikel für meinen Blog "auszuleihen".
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  2. Aber gern doch! Wir freuen uns, wenn sich diese Botschaft verbreitet und hoffentlich einige Menschen zum Umdenken bewegt.
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