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Jim Collins - Das Glück und die Stoppuhr








Wie macht er das nur? Egal, was Jim Collins anpackt, es wird ein Erfolg. Built to Last, Good to Great, How the Mighty Fall – alle seine Bücher wurden Bestseller. Und das gönnen wir ihm von Herzen. Und genauso wissen wir, dass das eben gerade keine Zufallstreffer waren.
Denn Collins hat genau das Besondere, das entscheidende Etwas, das den Unterschied ausmacht zwischen einem, der einfach nur sein Ding macht und einem, der nicht nur sein Ding macht, sondern darüber hinaus auch eine große und langandauernde Resonanz im Markt findet. Und dieses entscheidende Etwas ist: D-I-S-Z-I-P-L-I-N.

Mit jedem seiner Buchprojekte beschäftigt er sich über Jahre. Er recherchiert intensiv in allen verfügbaren Medien, interviewt Topmanager, analysiert, und denkt nach – viele hundert Stunden. Als er für ‚How the Mighty Fall – And why some Companies Never Give in‘ recherchierte, schauten die Lehman Brothers, Fannie Maes und General Motors dieser Welt noch optimistisch in die Zukunft. Der Dow Jones Index hatte die 10.000-er-Marke erreicht und kletterte munter weiter. Hätte Collins sein Buch schon 2005 veröffentlicht, hätte es vermutlich niemand gekauft. Aber er hatte eine Ahnung, was passieren würde. Heute bilden seine „stages of decline“ eine glasklare Diagnose wie Unternehmen abwirtschaften. 


Bei praktisch jedem seiner Projekte trat der Effekt ein, dass das Thema, das ihn über Jahre beschäftigte, ausgerechnet zum Erscheinen des Buches aktuell wurde. Die Folge: Seine Bücher verkaufen sich wie geschnitten Brot und stürmen die Bestsellerlisten - Built to Last stand allein sechs Jahre (!) auf der Business-Week-Bestsellerliste. 


Wer sich fragt, wie er das bloß macht, stößt beim Nachforschen unweigerlich auf ein Zitat seines früheren Mentors, dem aus Österreich stammenden Managementvordenker Peter Drucker, der vor sieben Jahren verstorben ist. Drucker fragte Collins, ob es richtig sei, dass er in erster Linie Ideen entwickeln wolle. Collins nickte. Dann sagte Drucker, mit seinem berüchtigten Akzent: „Zen you must not build an organization! Because zen you will end up managing zat organization!“


Collins hatte gut zugehört. Darum baute er eben kein großes Beratungsunternehmen auf, sondern beschäftigt bis heute lediglich fünf Mitarbeiter, die ihm direkt zuarbeiten. Neben seiner To-Do-Liste hat er auch eine To-Don’t-Liste. Und beide setzt er mit der Sturheit eines Esels durch. Das bedeutet: Exakt 12 bezahlte Keynotes im Jahr und exakt 6 Gratis-Vorträge. Mehr nicht! Wer ihn buchen will muss nach Boulder fahren, damit Collins seinen Auftraggeber persönlich kennen lernen kann. Es ist mehr ein Bewerbungsgespräch als ein Engagieren. Und wer dann den Zuschlag von Collins bekommt, zahlt ein Honorar von mindestens 65.000 Dollar. Das ist wirklich abgefahren – und großartig, denn Collins trifft ganz bewusst seine Wahl.


Wer bis in sein Arbeitszimmer vorgedrungen ist, sieht ihn am Kopf eines langen Tisches sitzen, der mit Ordnern und Materialien voll bedeckt ist. Was er dort macht, verrät ein Blick auf das Flipchart neben ihm. Darauf steht etwa: Creative 53 % – Teaching 28 % – Other 19 %.


Ganz klar, Collins ist ein minutiöser Selbstkontrolleur. Vor Jahren hat Collins beschlossen, seine Zeit genau so einzuteilen: die Hälfte für kreative Arbeit, ein Drittel für lehrende Tätigkeiten und der Rest für alles andere. Beschlossen ist beschlossen, also misst er seine Arbeitszeit mit einer Stoppuhr und ordnet sie den drei Bereichen zu. Einmal am Tag trägt er seine Werte in eine Excel-Tabelle ein und weiß am Abend so ganz genau, wie treu er seinen Zielen ist. Und weil er nach längeren Analysen herausgefunden hat, dass er innerhalb von 10 Tagen auf ein Schlafpensum von 70 bis 75 Stunden kommen mußt, um kreativ zu bleiben, wird auch diese Zeit geplant, eingeloggt und kontrolliert. Das ist eiserne Selbstdisziplin – und das geht nur mit eiserner Selbstkontrolle.


Auch wenn die Stoppuhr-Methode nicht unser Fall ist: Wir finden Jim Collins‘ Konsequenz großartig. Er macht klar, dass berufliche Erfüllung das Gegenteil von Zufall ist. Es ist die Kombination aus bewusster Wahl und Disziplin. Glückliche Umstände? Die liefern nur temporär ein wenig Rückenwind, bis sich der Wind wieder gedreht hat. Für die richtige Richtung müssen wir selbst sorgen.


Zuerst: Wir müssen uns entscheiden, was wir überhaupt tun wollen und was nicht – und daraus die Konsequenzen ziehen. Dann die nächste Entscheidung: Mit welchen Tätigkeiten wollen wir unseren Tag verbringen? Und die Einhaltung dieser Entscheidung sollten wir dann selbst ehrlich überprüfen. – Das klingt einfach. Ist es auch. Aber keiner hat behauptet, dass es leicht ist ... 



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